Wer darf sich Fotograf nennen?

Auf diese Frage gibt es eine ganz einfache Antwort: Jeder! Edit: Jeder, der eine Fotografenausbildung genossen hat. Fakt ist: jeder darf selbstständig als Fotograf arbeiten (sich aber nicht so nennen), ohne einen Qualifikationsnachweis erbringen zu müssen, da dieser Handwerksberuf unter die Bezeichnung “zulassungsfreies Handwerk” fällt. Ob das jetzt gut oder schlecht ist und welche Konsequenzen das nach sich zieht, darüber wird in den einschlägigen Foren viel diskutiert.

Und wie ist das mit der Qualität?

Daran scheiden sich die Geister. Wie definiert man fotografische Qualität? Wie kann man als Kunde sicher sein, qualitativ hochwertige Arbeit zu erhalten, wenn jeder als Fotograf arbeiten darf, der eine Kamera halten kann? Kann jemand der autodidaktisch das Fotografieren gelernt hat überhaupt mit jemandem mithalten, der eine handwerkliche Fotografenausbildung genossen hat?

Namen sind Schall und Rauch

Meiner Meinung nach kann eine Berufsbezeichnung nichts über die fotografische Qualität aussagen. Im Gegenteil, sie kann oft über mangelhafte Qualität hinwegtäuschen.

Um es vielleicht kurz zu erwähnen: ja, ich bin ausgebildeter Fotograf. Und ja: nach dem Abschluss meiner Ausbildung habe ich mich oft gefragt: was ist das Ganze jetzt wert, wenn es eigentlich auch ohne gegangen wäre? Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, dass es darauf überhaupt nicht ankommt. Was letztendlich zählt sind die Bilder!

Gute und schlechte Fotografen

Ich kenne sehr viele gute, ausgebildete Fotografen. Ich kenne aber mindestens genauso viele sehr gute, wenn nicht sogar bessere Autodidakten. Ich bin der Meinung, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist, was die fotografischen Fähigkeiten anbelangt. In manchen Studios wird gut, in anderen wird schlecht ausgebildet. Oft bleibt es an einem selbst hängen, sich die Fertigkeiten anzueignen. Autodidakten haben hier sogar den Vorteil, frei von betrieblichen Zwängen lernen zu können.
Wer mit Leidenschaft und Eifer bei der Sache ist, sich weiterbildet und am Ball bleibt, der wird auch gute fotografische Arbeit abliefern – egal ob der einen Gesellen- oder Meisterbrief zu Hause hängen hat.

Wie ist das bei Euch? Wie seht Ihr das?

Kommentare:

  1. Das ist zumindest laut Wikipedia nicht korrekt:

    Gemäß § 18 Abs. 2 gehört die Ausübung des Berufs Fotograf als selbständiges Gewerbe nach dem “Dritten Gesetz zur Änderung der Handwerksordnung und anderer handwerksrechtlicher Vorschriften” vom 24. Dezember 2003, zu den zulassungsfreien Berufen, d. h., dass der Beruf des Fotografen in der Regel ohne Meisterbrief ausgeübt werden kann. Trotzdem ist eine Eintragung in die Handwerksrolle bei der jeweiligen Berufskammer notwendig. Die Berufsbezeichnung Fotograf ist nach wie vor, wie die Berufsbezeichnungen Fototechnischer Assistent, Fotolaborant und Fotoingenieur gesetzlich geschützt.

    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Fotograf#Fotograf_als_Beruf

  2. Johannes sagt:

    So sehr ich Wikipedia mag, aber ich vertraue da der zuständigen Behörde, in meinem Fall der Handwerkskammer Mannheim. Hier der Auszug aus der Handwerksordnung (PDF-Format):

    http://www.hwk-mannheim.de/webview65/viewDocument?onr=65&id=103

    Wenn man sich bei der zuständigen Kammer eintragen lässt, darf man sich als Fotograf bezeichnen. Oder verstehe ich das falsch?

  3. Da steht genau das drin, was auch in der Wikipedia steht. Die AUSÜBUNG des Berufes ist zulassungsfrei. Das ist aber NICHT gleichbedeutend damit, dass Du auch die Berufsbezeichnung führen darfst. Die ist nämlich als Ausbildungsberuf geschützt. Kleiner aber feiner Unterschied!

  4. Johannes sagt:

    Du hast Recht, mein Fehler, entschuldige. Ich habe den Auszug aus der HwO falsch interpretiert und vorschnelle Schlussfolgerungen gezogen, da ich Autodidakten kenne, die sich in Ihren Portfolios im Netz als Fotografen bezeichnen. Den Beitrag habe ich editiert.

    Nichtsdestotrotz ging es mir in dem Artikel eigentlich um die Qualität fotografischer Arbeit. :)

  5. manne sagt:

    sehr intressanter artikel.

    ich dachte immer jeder darf sich Fotograf nennen.
    aber ich finde es schon ein wenig komisch, dass man als fotograf arbeiten darf, sich aber auf keinen fall so nennen sollte. typisch deutschland ;)

    so oder so, ich mache mit meinem hobby weiter ;)

  6. Ralf Nöhmer sagt:

    Frage hundert Leute – Du bekommst hundert Antworten. Obwohl Deine Antwort die auch für mich einzige richtige Antwort ist und sich “Fotograf” nur der offiziell nennen darf, der auch eine entsprechende handwerkliche Ausbildung gemacht hat. (Für diese Aussage bin ich schon öfter vermeintlich “gemaßregelt” worden ;-) ).

    Allerdings heisst es eben noch lange nicht, dass man auch fotografieren kann, wenn man Fotograf ist. Ich kenne genügend Kollegen, deren Fotos mir nur das kalte Grausen hervorrufen. Die Qualität, die Amateurfotografen an den Tag legen ist teilweise sehr beeindruckend. Und Talent kann man nicht lernen.

    Man darf allerdings eines dabei auch nicht vergessen: der Amateur fotografiert in der Regel zum Spaß und kann sich genügend Zeit lassen, seine Bilder auszuarbeiten.

    Der Profifotograf steht häufig unter Zeitdruck und muss sich dann auch noch meistens an die Vorgaben seines Auftraggebers halten. Das darf aber keine Ausrede für schlechte Profifotografen sein – Qualität muss man auch in Streßsituationen abliefern können.

    Ralf, Fotograf ;-)

  7. Uwe M. sagt:

    Bei diesem Beruf handelt es sich um einen ehemaligen Ausbildungsberuf, der zum 01.08.2009 außer Kraft trat. Der bisherige Monoberuf wurde durch den Beruf Fotograf/Fotografin mit den Schwerpunkten Porträtfotografie, Produktfotografie, Industrie- und Architekturfotografie sowie Wissenschaftsfotografie abgelöst.
    Fotograf/in ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach der Handwerksordnung (HwO).

  8. Ralf Nöhmer sagt:

    @Uwe M.
    Deine Aussage ist etwas missverständlich. Natürlich ist “Fotograf” immer noch ein Ausbildungsberuf.
    Die Ausbildungsschwerpunkte wurden aber (zum Glück endlich) neu definiert.

  9. Uwe M. sagt:

    @Ralf Nöhmer
    An meiner Aussage ist gar nicht missverständlich.
    Habe ich doch deutlich geschrieben. Siehe letzter Satz.
    Die Berufsbezeichnung lautet nicht mehr nur einfach ” Fotograf ” sondern eben ” Fotograf mit Schwerpunkt …”.
    Fotograf darf sich auch nennen, wer in der Handwerksrolle der zulassungsfreien Gewerbe als Fotograf eingetragen ist.

  10. Rattchen sagt:

    Stellt sich uns jetzt aber die Frage, WIE wir uns Hobby- Semiprofi- oder ambitionierte Fotografen dann nennen sollen? Knipser? Fotografierender?

    Wäre dann ja auch mal eine wichtige Frage, oder reicht es aus, wenn eben der Zusatz dabei steht, ähnlich dem Schwerpunkt bei der Berufsbezeichnung?

    Was kommt als nächstes? Darf ich dann auch keinen Fotoapparat als Ausrüstung haben, sondern muss auf nen Knipsding umsteigen? Oder wie?

    Und meine Mutti hinterm Herd ist auch keine Köchin?
    Deutsche Sprache, schwere Sprache …

    Wer kann da noch helfen?

    Rattchen

  11. Johannes sagt:

    @Rattchen Da gebe ich Dir Recht, die sprachlichen Haarspaltereien sind nervig!
    Grundsätzlich kannst Du Dich nennen wie Du willst, Du darfst den Titel “Fotograf” nur nicht als Berufsbezeichnung führen, ohne vorher eine entsprechende Ausbildung absolviert zu haben. Das ist gesetzlich so festgelegt.
    Wie ich aber bereits im Artikel beschrieben habe, ist es meiner Meinung nach völlig egal wie Du Dich nennst – was zählt ist die Qualität Deiner Arbeit.

  12. Marion sagt:

    @Rattchen

    Ja das ist nicht neu, es war schon immer so dass man sich nicht einfach als etwas ausgeben darf dass man nicht ist, nennt man nämlich arglistige Täuschung und ist sicher nicht nur hier so sondern überall auf der Welt.

    Und ich kenne Kunden die auf “Fotografen” reingefallen sind, die keine waren und leider nur Mist gebaut haben auf der Hochzeit oder beim Aktshooting…oder einfach nicht aufgetaucht sind!

    Die Qualität der Arbeit…da muss ich an den “Fotografen” denken der mit meinen geklauten Bildern um Kunden geworben hat.

    Die Qualität kann der normale Kunde selten beurteilen, wird abgezockt und wir müssen es ausbaden weil irgendwelche Amateure halbherzig zusammenfotografierte falschfarbige Daten-CDs rausgeben!

    Nenn es: mein Hobby ist die Fotografie…

    Ich hab das satt, da hängt man sich viele Jahre jeden Tag ohne Pause mehr als 15 Stunden am Tag rein um gut in seinem Job zu werden und jeder glaubt das man das mal eben so lernt…ist echt ein Witz.

    Ich nenn mich ja auch nicht Koch oder KFZ-Mechaniker nur weil ich ab und zu kochen oder mal nen Reifen austausche.

    Berufsfotografie hat mit Amateur- oder Hobbyfotografie nicht zu tun ausser das man das gleiche Werkzeug benutzt.

    Warum es zum Teil so schlechte Berufsfotografen gibt ist mir aber auch ein echtes Rätsel, die Ausbildung war hart und anspruchsvoll und ohne Abi kaum zu schaffen, zumndest bei uns- wir hatten knallharte Ausbilder und gute Lehrer.

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